Mit dem Projekt „Oder:Brüche 1945 und heute“ haben Jugendliche aus Deutschland und Polen gemeinsam historische Orte der grenzüberschreitenden Oderregion erkundet und deren Bedeutung für ein gemeinsames deutsch-polnisches Kulturerbe neu interpretiert. Im Mittelpunkt standen die Perspektiven junger Menschen, die sich kreativ, medial und selbstbestimmt mit Geschichte, Erinnerung und Gegenwart auseinandersetzten.
Den Abschluss des einjährigen Projekts bildete am 18. Juni 2026 die Veröffentlichung eines zweisprachigen Internetportals, das die im Projekt entstandenen Beiträge dauerhaft zugänglich macht.
Laufzeit: Juni 2025 bis Juni 2026
Projektidee
80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind die Folgen von Krieg, Vertreibung, Grenzverschiebungen und gesellschaftlichen Umbrüchen entlang der Oder bis heute sichtbar. Das Projekt griff diese historische Zäsur auf und fragte danach, welche Bedeutung Orte des gemeinsamen deutsch-polnischen Kulturerbes heute für junge Menschen haben.
Im Mittelpunkt stand die Entwicklung neuer, jugendgerechter Zugänge zu historischen Orten. Die Teilnehmenden erforschten Geschichte vor Ort, führten Gespräche, dokumentierten ihre Eindrücke und entwickelten eigene mediale Formate, die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählen.
Projektablauf
Erste Projektphase: Das Oderland zwischen Krieg und Frieden
Zum Projektstart im Juni 2025 arbeiteten Schülerinnen und Schüler aus Hamburg und dem ostpolnischen Sokołów Podlaski gemeinsam zur Zäsur des Jahres 1945. Sie beschäftigten sich mit Biografien, historischen Quellen und Erinnerungsorten der deutsch-polnischen Oderregion und setzten sich mit den tiefgreifenden Veränderungen nach Kriegsende auseinander.
Zweite Projektphase: Mensch – Macht – Landschaft
In der zweiten Phase standen konkrete Orte des gemeinsamen Kulturerbes im Mittelpunkt. Kinder und Jugendliche aus Letschin und der polnischen Partnergemeinde Pszczew erkundeten historische Landschaften und Erinnerungsorte, entwickelten eigene Fragestellungen und produzierten gemeinsam Beiträge für das entstehende Internetportal.
Inhalte des Projekts
Im Rahmen mehrerer deutsch-polnischer Begegnungen, Workshops und Exkursionen beschäftigten sich die Jugendlichen unter anderem mit:
- den Altstadtruinen von Kostrzyn (Küstrin),
- den Seelower Höhen,
- der Europabrücke Neurüdnitz–Siekierki,
- dem Friedenswald bei Seelow,
- dem Oderbruchmuseum Altranft,
- sowie dem Erinnerungsort des ehemaligen nationalsozialistischen Außenlagers Wulkow bei Trebnitz.
Dabei entstanden Filme, Reportagen, Interviews, Fotodokumentationen und weitere digitale Medienbeiträge. Einige Orte – wie etwa der Erinnerungsort Wulkow – wurden durch die Arbeiten der Jugendlichen erstmals umfassend auch visuell dokumentiert und öffentlich sichtbar gemacht.
Parallel entwickelte Schloss Trebnitz gemeinsam mit einem Team aus Grafikerinnen, Designern und Webentwicklern ein zweisprachiges Internetportal, das die entstandenen Arbeiten dauerhaft präsentiert.
Ziele des Projekts
Das Projekt verfolgte das Ziel, den Wandel der Region zwischen Oderbruch und Warthebruch zu einem gemeinsamen transnationalen Kulturraum aus der Perspektive junger Menschen sichtbar zu machen.
Dabei standen insbesondere folgende Ziele im Mittelpunkt:
- Entwicklung neuer Zugänge zum gemeinsamen deutsch-polnischen Kulturerbe,
- Förderung historischer und kultureller Bildung,
- Begegnung und Austausch zwischen Jugendlichen aus Deutschland und Polen,
- Vermittlung der Geschichte des Grenzraums aus unterschiedlichen Perspektiven,
- Entwicklung kreativer und digitaler Vermittlungsformate,
- Stärkung einer gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur.
Die Jugendlichen bestimmten Themen und Arbeitsweisen weitgehend selbst und entwickelten daraus eigenständige Beiträge, die ihre Sicht auf Geschichte und Kulturerbe widerspiegeln.
Ergebnisse und Abschlussveranstaltung
Nach einem Jahr intensiver Zusammenarbeit konnte das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden.
Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen:
- zahlreiche deutsch-polnische Jugendbegegnungen und Workshops,
- die Erarbeitung vielfältiger Medienbeiträge zu historischen Orten,
- neue digitale Dokumentationen bislang wenig sichtbarer Erinnerungsorte,
- die dauerhafte Veröffentlichung der Projektergebnisse auf einem Portal unter den Internetadressen
www.oder-brueche.eu / www.odra-prelomy.eu.
Das Portal macht die Stimmen der beteiligten Jugendlichen dauerhaft sichtbar und lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, Geschichte zu entdecken, selbst weiterzuforschen und neue Perspektiven auf das gemeinsame Kulturerbe einzunehmen.
Abschlussveranstaltung
Am 18. Juni 2026 wurde das Internetportal im Rahmen eines öffentlichen Gesprächs- und Theaterabends offiziell vorgestellt.
Gemeinsam mit Nora Scholz vom Oderbruchmuseum Altranft diskutierten die Projektbeteiligten über Formen der Erinnerung an Nationalsozialismus, Krieg und das Ende des Zweiten Weltkriegs in den Dörfern der Oderregion. Im Anschluss wurde das zweisprachige Theaterstück „Jan & Martha“ aufgeführt und das Internetportal offiziell freigeschaltet.
Projektpartner
- Oderbruchmuseum Altranft
- Grundschule im. Mikołaja Kopernika, Pszczew,
- Oderbruchmuseum Altranft,
- Gemeinden Letschin und Pszczew,
- Schulen aus Hamburg und Sokołów Podlaski.
Die Kooperation knüpfte an bereits bestehende gemeinsame Bildungsprojekte von Schloss Trebnitz und dem Oderbruchmuseum zum Europäischen Kulturerbe an.
Kontakt
Dr. Martin Müller-Butz
+49 (0) 33477 519 22
mueller-butz@schloss-trebnitz.de










