Bildungs- und Begegnungszentrum e.V.

Zwischenhalt Zwangsarbeit – Gedenkort Bahnhof Trebnitz

Zwischenhalt Zwangsarbeit - Gedenkort Bahnhof Trebnitz

Von September 2025 bis Juli 2026 führte Schloss Trebnitz in Absprache mit regionalen Erinnerungsinitiativen das Projekt „Zwischenhalt Zwangsarbeit. Gedenkort Bahnhof Trebnitz“ durch. Im Mittelpunkt stand die Auseinandersetzung mit der Geschichte der nationalsozialistischen Zwangsarbeit im Dorf Trebnitz und im ländlichen Raum Brandenburgs.

Der Bahnhof Trebnitz als Erinnerungsort

Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden Menschen aus vielen europäischen Ländern nach Ostbrandenburg verschleppt und zur Arbeit gezwungen. Dazu gehörten deutsche und tschechische Jüdinnen und Juden, sowjetische Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge aus Frankreich und Norwegen sowie zivile Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus Polen und Italien.

Sie mussten unter anderem auf Baustellen von Ausweichdienststellen sowie auf Gütern und Bauernhöfen arbeiten.

Ein besonders erschütterndes Beispiel ist das ehemalige Außenlager Wulkow bei Trebnitz: Dort mussten 1944 und 1945 rund 400 tschechische und deutsche Jüdinnen und Juden aus dem Ghetto Theresienstadt unter widrigsten Bedingungen Zwangsarbeit leisten.

Durch seine Lage an der internationalen Bahnstrecke Berlin–Kostrzyn nad Odrą (Küstrin) ist der Bahnhof Trebnitz ein besonderer Ort der Erinnerung. Er steht stellvertretend für viele Orte im ländlichen Raum, an denen NS-Zwangsarbeit stattfand und deren Geschichte lange wenig sichtbar war.

Projektziel

Ziel des Projekts war es, lokale Geschichte sichtbar zu machen und neue Zugänge zur Erinnerung an NS-Zwangsarbeit zu entwickeln. Dabei ging es auch um die Frage, wie Erinnerung heute gestaltet werden kann und welche Formen geeignet sind, historische Erfahrungen für kommende Generationen zugänglich zu machen. Das Projekt verband dazu Gespräche mit Zeitzeug*innen und Fachleuten, Jugendbildung, digitale Vermittlungsangebote sowie künstlerische Formate.

Der Gedenkort Bahnhof Trebnitz wird so zu einem Ort des Erinnerns, des Lernens und der Begegnung.

Veranstaltungen und Ergebnisse

26. März 2026
Schlossgespräch: Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in Trebnitz

Ein Fach- und Zeitzeugengespräch führte in die Geschichte der NS-Zwangsarbeit in Trebnitz ein. Im Mittelpunkt standen lokale Erfahrungen und Erinnerungen sowie die Frage, wie Zwangsarbeit im Alltag des Dorfes sichtbar war und welche Spuren bis heute erhalten geblieben sind. Mit einer Trebnitzer Zeitzeugin und der Autorin Karolina Kuszyk.

20.–23. April 2026
Deutsch-polnische Jugendbegegnung: „Halt! Hier wird an NS-Verbrechen erinnert.“

Jugendliche aus Deutschland und Polen setzten sich gemeinsam mit der Geschichte der NS-Zwangsarbeit in Trebnitz und Wulkow auseinander. In Workshops erforschten sie lokale Spuren und entwickeln eigene Perspektiven darauf, wie Erinnerung heute gestaltet und vermittelt werden kann.

Im Rahmen der Begegnung haben Jugendliche einen Kurzfilm konzipiert, gestaltet und produziert.

Zum Kurzfilm "Die Wulkower / Ludzie w Wulkowa"

9. Mai 2026
Gedenkspaziergang zu Orten der NS-Zwangsarbeit in Trebnitz

Eine gemeinsame Bahnfahrt von Müncheberg nach Trebnitz und ein anschließender Gedenkspaziergang führten zu historischen Orten der NS-Zwangsarbeit. Die Veranstaltung eröffnete neue Zugänge zur lokalen Geschichte.

18. Juni 2026
Präsentation eines Audiowalks zu Trebnitzer Orten der NS-Zwangsarbeit

Ein neues digitales Angebot macht die Geschichte der NS-Zwangsarbeit in Trebnitz dauerhaft zugänglich: Ein mehrsprachiger Audiowalk führt zu zentralen Orten lokaler Zwangsarbeit und verbindet historische Informationen mit persönlichen Geschichten. Begleitet wurde die Präsentation von dem Theaterstück "Jan & Martha" von Tobias Lenel.

Hier kann man sich den Audioguide anhören.

3. Juli 2026
Enthüllung eines Gedenkzeichens zur Erinnerung an die Verbrechen und Opfer von NS-Zwangsarbeit in Trebnitz und Wulkow

Mit der Einweihung eines dauerhaften Erinnerungszeichens ist der Bahnhof Trebnitz als Gedenkort sichtbar im öffentlichen Raum verankert. Das Gedenkzeichen erinnert an die Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs aus verschiedenen europäischen Ländern nach Ostbrandenburg verschleppt wurden und hier Zwangsarbeit leisten mussten.

An der Einweihung nahmen zahlreiche Gäste aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und der Region teil. Besonders bewegend war der Besuch von Henryk Morawiak, einem Nachkommen eines Zwangsarbeiters und einer Zwangsarbeiterin, der gemeinsam mit seiner Frau eigens aus Danzig angereist war. Grußworte sprachen unter anderem die stellvertretende Botschafterin der Tschechischen Republik, Hana Klučarová, der Botschaftsrat der Republik Polen, Michał Sarnicki, die Landtagsabgeordnete Sina Schönbrunn, der stellvertretende Landrat Friedemann Hanke und der Bürgermeister der Stadt Müncheberg, Fritz-Georg Streichert. Im Anschluss wurde der im Rahmen des Projekts entstandene Dokumentarfilm vorgestellt und gemeinsam mit der Historikerin Dr. Andrea Rudorff über die Bedeutung lokaler Erinnerungskultur diskutiert.

Kontakt

Projektleitung

Dr. Martin Müller-Butz
Schloss Trebnitz
mueller-butz@schloss-trebnitz.de
033477 – 519 22

Fachliche Begleitung

Stephan Felsberg
felsberg@schloss-trebnitz.de

Förderprogramm "Memorails"

MemoRails ist ein Förderprogramm der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft. Es unterstützt Projekte, die Bahnhöfe als historische Orte der NS-Verfolgung erforschen und neue Formen des Erinnerns entwickeln.