Stadt, Land, Fluss – Fahrradtour

Stadt, Land, Fluss – Politische Bildung auf dem Fahrrad

Trebnitz – Witnica – Gorzów Wlp.
08.-12. Oktober 2019

Austausch, Vernetzung, Bewegung und frische Luft!

Vom 8. bis 12. Oktober veranstaltete der Schloß Trebnitz e.V. eine Fahrrad-Tour als „innovativen Raum“ – zum Kennenlernen der Teilnehmenden untereinander, für fachlichen und kollegialen Austausch sowie die Planung von gemeinsamen Vorhaben.
Das Angebot richtete sich vor allem an Akteure der deutsch-polnischen Zusammenarbeit im Bereich der Zivilgesellschaft des ländlichen Raums aus der grenznahen Region. Die Leitfrage lautete: Wie können wir die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet gemeinsam gestalten?

Teilgenommen haben: Frei- und hauptamtliche Akteure der Entwicklung im ländlichen Raum (Ortsvorsteher, NGO-Vertreter, Vorstände der LAGs (LEADER)) sowie Mitarbeiter*innen aus Bildungsstätten, Jugendeinrichtungen, Naturparks oder Stiftungen und Vertreter*innen von Verwaltungen unterschiedlicher Ebenen. Insgesamt konnten wir 20 Personen, jeweils 10 aus Deutschland und Polen, gewinnen. Weitere Teilnehmende waren das Leitungsteam sowie mehrere Referenten*innen und Input-Geber*innen an den unterschiedlichen Orten der Tour.

Die Fahrrad-Tour führte über folgende Orte:
Trebnitz – Seelow – Kostrzyn – Dąbroszyn/Tamsel – Witnica – Bogdaniec- Gorzów Wielkopolski

Das detaillierte Programm finden Sie hier >> (download, 360 KB)

Reiseblog

Tag 1

Austausch, Bewegung und frische Luft! Vom 8. bis 12. Oktober veranstaltet der Schloß Trebnitz e.V. zusammen mit der Stadt Gorzow Wielkopolski und Gemeinde / Stadt Witnica eine Fahrrad-Tour als „innovativen Raum“ – zum Kennenlernen der Teilnehmenden untereinander, für fachlichen und kollegialen Austausch sowie die Planung von gemeinsamen Vorhaben.

       

Das Angebot richtet sich vor allem an Akteure der deutsch-polnischen Zusammenarbeit im Bereich der Zivilgesellschaft des ländlichen Raums aus der grenznahen Region. Die Leitfrage lautet: Wie können wir die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet gemeinsam gestalten?

Die Radtour begann gestern mit der Ankunft der Teilnehmenden und einem ersten Kennenlernen. Im Rahmen eines „Markts der Möglichkeiten“ konnten sie sich über ihre Arbeitsschwerpunkte und gemeinsame Interessen austauschen. Zudem wurde ihnen der Campus Schloss Trebnitz mit dem Archiv für Heilpädagogik und dem deutsch-polnischen Juniorcafe als Beispiel für die Entwicklung des ländlichen Raumes mit Hilfe von europäischen Mitteln (EFRE, LEADER, ERASMUS+) vorgestellt.

Tag 2

Der 2. Tag der Reise durch das Land führte nach Seelow, eine Kreisstadt von 5000 Einwohnern. Die Gäste tauschten sich in der „Alten Dampfbäckerei“ mit Blick auf die Altstadt mit der Schinkelschen Kirche in einem Gespräch mit dem stellvertretenden Bürgermeister Herrn Krüger über die deutsch-polnische Beziehung einst und jetzt aus. Eingeleitet von Darius Müller, dem Leiter des Bildungs- und Begegnungszentrums Schloss Trebnitz, wurde über Projekte, Schwierigkeiten und Aussichten gesprochen, die Teilnehmenden konnten Fragen und Anregungen formulieren. Und wenn nicht noch die Rückreise zur Schlosstafel per Rad auf dem Plan gestanden hätte, so wären die freundlichen Räume voller Kultur noch länger in Anspruch genommen worden.

        

Trotz einer ersten Panne, die gemeinsam mit Rat und Radschlaucheinkauf gelöst wurde, fand die Gruppe sich zum stärkenden Mittagessen ein. Am Nachmittag ging es durch das Land über mehrere Flüsse, quer durch das idyllische Buckow mit dem erkenntnisreichen Besuch im Weigel-Brecht-Haus ins Klosterdorf. Dort fand die Projektgruppe weder Kloster noch Mönche vor, jedoch konnten alle im Objekt des Vereins ÖkoLea eine andere, vielen bislang unbekannte Art des gemeinschaftlichen Lebens kennenlernen. Zwei Vertreter, zwei Generationen und eine harmonische Darstellung, wie eine „Kommune“ vor einem Vierteljahrhundert entstand, wie sie ein Hof mitten im Ort für sich erschloss und mit Garten, Wohnkomfort, Seminarhaus, Bäckerei und unzähligen Aktivitäten lebhaft machte. Dabei konnte das deutsch-polnische Thema nicht fehlen und nur der sich dem Abend neigende Tag konnte den neugierigen Fragen und Antworten ein Ende setzen. Der Mittwoch war aber nach Rückkehr zum Abendessen noch lange nicht beendet und eine erneute fröhliche Runde hatte den nächsten, 3. Tag beinahe begrüsst.

Tag 3

Am folgenden Tag machten sich die Teilnehmer übermüdet wieder auf den Weg. Nach Reitwein an der Oder ging es zum ersten kleinen Ziel. Von der dort lag die Stadt, in der sich die Flüsse treffen, gleich um die Ecke. In Kostrzyn konnte die Gruppe sich etwas erholen, bevor es durch die vom 2. Weltkrieg gekennzeichnete Strassen und Plätze der Altstadt in die Kasematten zur historischen Ausstellung des Festungsmuseums ging.

         

Die Warthe-Oder-Stadt zeigte sich aber nicht nur von der historischen Seite – eine gemeinsame Mahlzeit und die Besprechung des weiteren Verlaufs sowie die anschließende Erkundung mit verbindenden Themen – das war die erlebte Gegenwart deutsch-polnischer Kooperation.

Das Land kennt keine Grenzen, auf der Kostrzyner Seite ging weiter in die Umgebung und so fanden sich die Entdecker in Dabroszyn / Tamsel wieder ein. Dort zwischen dem Schloss und der Schlosskirche wurde erzählt, erklärt und erkundet, alles in vertrauter Runde und mit Sprachmittlern. Wieder auf den Zweirädern konnte die Ortschaft umrundet werden und aus der Höhe des Oberparks und des Cäcilientempels, die beim Regen ein ersehntes Dach boten, in Blick genommen werden. Vergleiche mit Trebnitzer und anderen märkischen, neumärkischen Orten und erneutes Untertauchen in die Geschichte machten nachdenklich, vertieft in der kühlen und goldschimmernden Krypta der Tamseler Schlossherren.

Nach dem Wiedersehen im Hotel konnte mit den Vertretern des Rathauses von Kostrzyn ausgiebig bis späte Stunden diskutiert werden. Grenzüberschreitende Projekte, Partnerschaften, Antragsweisen und Abwicklungen, aber auch wieder Historie und Kultur machten da niemanden müde.

Tag 4

Der Wettlauf der Eindrücke und Einblicke ließ den 4. Tag kaum zusammenzufassen. Der Anfang war bereits vertraut – zum neuen Ziel loslegen und ankommen. Diesmal aber ging es durch das Land von Stadt zu Stadt. Kostrzyn mit Erholung und Freitagsfrühstück im Hotel Bastion sollte nun durch die zweite in der Kette der Wartheflussstädte, das kleine aber feine Witnica, ersetzt werden.

Das Hotel namens Witnica war einfach zu finden, durch die Lage war auch das Rathaus leicht zu entdecken. Dort lud der Bürgermeister des Ortes, Herr Jaworski, die komplette Gruppe zu einem ausgiebigen Gespräch mit einigen Beamten in sein Arbeitszimmer ein. Dort erfuhren die Reiseteilnehmer*innen eine Lawine von Fakten, Daten, Gesichtern – und so wurde Witnica zum Nabel der Welt mit seinen überreichen Kontakten ins Ausland.

Die Zeit in netter Atmosphäre setzte sich auch gleich um die Ecke fort. Mit Herrn Czarnuch erfuhren wir eine Menge über Kulturen und Techniken vergangener Zeiten und das alles im Stadtpark, der von ihm als Open-Air-Museum mit einer wahren Marke als „Wegweiserpark“ initiiert wurde.

       

Noch nicht ganz fertig mit dem dort Erlebten und schon ging es in die Brauerei von Witnica. Eine echte Abfüllanlage lief noch, Kisten, Flaschen stapelten und überall roch es vertraulich. Es wurden in den kühlen Räumen Geheimnisse der Brauer gelüftet und ohne Ende erzählt. Als Meister der Stunde öffnete der emeritierte Mitarbeiter Herr Sybal die Tore in das eigene Museum von Browar Witnica. Dort wurde gekostet und probiert, Bilder und ein Film beeindruckten und aus den Fenstern des altwürdigen Brauhauses konnte man auf das Städtchen von oben schauen.

Und in die weitere Gegend, die anschliessend mit einer Radtour nach Pyrzany erkundet wurde. Ein Dorf an der Schwelle des Warthebruchs mit interessanter Geschichte vor und nach 1945 sollte entdeckt werden. Von dort lag die Warthe in Reichweite, also in Swierkocin mit Weitblick in das Flusstal von der, lange Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, längsten Brücke Europas.

Zurück in Witnica dauerte das Abendbrot mit den Ehrengästen aus Gorzow sowie Amtsvertretern Witnicas bis in die späten Stunden. Eine breite Themenpalette zu regionalen und globalen, deutschen, polnischen und gemeinsamen Brennpunkten konnte wirklich tiefgreifend diskutiert werden.

Tag 5

Jede Reise hat ein Ende. Erfolg krönt das Werk und hier war das zwar keine Königsstadt, aber zumindest Sitz des Wojewoden von Lubuskie. Gorzow Wielkopolski trägt bis heute einen längst schon irreführenden Namenszusatz, liegt aber fast vor den Toren von echtem Wielkopolska / Großpolen.

   

Aber im alten Titel lag die Stadt am Fluss und war des Landes Berg – das einst (ost-)brandenburgische Landsberg an der Warthe war das Ziel an der Perlenkette zwischen Land und Stadt und Fluss. Nach einigen kopfzerbrechenden Einfahrtspfaden, da die Westseite der Stadt eine Riesenbaustelle ist, trafen die Teilnehmenden rechtzeitig zu einem Gespräch mit Vertretern der Stadt und des Landkreises Gorzów ein. Der aktuelle Stand der deutsch-polnischen Zusammenarbeit in der Region war Thema ebenso Ideen für die Entwicklung des Förderung der Grenzregion. Nach einem Mittagessen wurden weitere Baustellen aufgesucht – das Stadtzentrum, den Warthekai und schliesslich den Park Siemiradzkiego. Zu beobachten, ob und wie diese Stadt wie ein Schmetterling aus ihrem Konkon erwacht, ist Gegenstand einer neuen Reise…

 

Kontakt
Beata Rauch
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